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Simon Rösner: „Es hat alles perfekt gepasst“

Gespeichert von PSC News 2 am Mi, 02/20/2019 - 15:33

In Kürze steht für Simon Rösner (WRL 4, DRL 1, Paderborner SC) die Einzel-WM in Chicago an. Er trifft am Samstag um 19:45 Uhr Ortzeit (Sonntag um 2:45 Uhr deutscher Zeit) auf Omar Mosaad (EGY, WRL 13) in Runde 1. Der aktuelle Deutsche Einzelmeister Raphael Kandra (WRL 15, DRL 2, Paderborner SC) ist ebenfalls im Chicago am Start und trifft um 14:45 Uhr Ortszeit am Samstag (21:45 Uhr deutscher Zeit) auf Leo Au (HKG, WRL 25). Rösner geht an Position drei gesetzt in das Rennen von Chicago. Kurz vor seiner Abreise zur Einzel-WM gab er jetzt dem DSQV ein Interview und blickt darin auf sein Jahr 2018 zurück und auf 2019 mit seinen internationalen Zielen voraus, nennt seine Ziele zur Einzel-WM, erklärt, wie die ersten Tage als junger Vater waren, verrät, was er in seiner Freizeit gerne macht, beurteilt das Coaching des Bundestrainers und sagt noch einiges Weitere. Was Rösner zu sagen hat, kann im DSQV-Interview hier herausgefunden werden.

Cool, dass du Zeit und Lust auf dieses Interview hast, Simon. Blicken wir einmal auf dein Jahr 2018 zurück: Erster Sieg bei einem World Series Turnier, drei zweite Plätze bei weiteren World Series Turnieren, drei Halbfinals und bei jedem anderen Turnier immer mindestens das Viertelfinale erreicht. Dazu wurdest du Deutscher Mannschaftsmeister mit dem Paderborner SC, hast in der Weltrangliste mit Nr. 3 im Dezember dein bisher bestes Ranking erreicht. Dazu hast du im August geheiratet und wurdest im Dezember Vater. 2018 war ganz sicher dein perfektes Jahr. Wie hat es dich geprägt und auch verändert?

Für mich war es sowohl privat als auch sportlich mein bisher bestes Jahr. Es hat alles perfekt gepasst, es war ein hammergutes Jahr. Ich habe in 2018 alle meine gesteckten Ziele erreicht. Ich denke, dass der nun auf mich kommende Spagat als Vater und Squash-Vollprofi ganz interessant und herausfordernd sein wird. Wichtig ist aber, dass ich mich auf den Erfolgen aus 2018 nicht ausruhe. Ich möchte mich noch weiter steigern und verbessern.

Ich sprach es bereits an: Ende Dezember erblickte Sohn Liam das Licht der Welt. Wie waren die ersten Tage als junger Vater für deine Frau Vivien und dich?

Die ersten Tage waren sehr aufregend. Man kann es sich kaum vorstellen. Es ist eine sehr spannende Zeit für uns. Ich freue mich sehr, da ich ein echter Familienmensch bin. Gut ist, dass Vivien als Au-Pair schon Erfahrung mitbringt. Hier muss ich noch etwas lernen, aber das ist natürlich positiv gemeint und einfach eine sehr interessante Sache.

Du standst im Dezember 2018 erstmals auf Platz 3 der Herren-Weltrangliste und bist damit bestplatzierter nicht-ägyptischer Spieler und zugleich bestplatzierter Deutscher aller Zeiten in der bisherigen Weltranglisten-Geschichte. Hättest du damit bei deinem Weltranglisten-Start im Oktober 2003 im Alter von 16 Jahren jemals gerechnet? Wie gehst du damit um, bester nicht-ägyptischer Spieler der Welt zu sein?

Damit habe ich natürlich nicht gerechnet. Mein Ziel war es immer, einmal in die TOP 20 einzuziehen. Dass es dann irgendwann in die TOP 10 ging und dann auch bald TOP 5, konnte man so nicht vorhersehen. Ich bin bereit, noch ein Stück härter und vor allem auch cleverer zu trainieren, denn man wird ja auch nicht jünger.

Am Samstag startet die Einzel-WM der aktuellen Saison in Chicago  mit einem Gesamtpreisgeld von 500.000 US-Dollar jeweils für Damen und Herren. Du bist an Position drei gesetzt. Was rechnest du dir aus?

Ich habe mir als Ziel gesetzt, mindestens meine Setzposition drei zu erreichen. Alles, was darüber hinausgeht, wäre ein Plus. Aber alleine das Halbfinale einer WM zu erreichen wird schon sehr hart werden. Ich habe mich im Training darauf aber voll fokussiert. Da die Topjungs leistungsmäßig sehr eng beieinander liegen, wird das Turnier sicher sehr spannend und interessant, da kleine Nuancen den Ausschlag geben werden.

Nach der Einzel-WM geht es für dich beim Canary Wharf in England weiter und danach kommt der Grasshopper Cup in der Schweiz. Was hast du dir allgemein für 2019 vorgenommen sowohl international als auch mit der Nationalmannschaft?

International möchte ich den Weltranglisten-Platz Nr. 3 verteidigen. Am Jahresende bis zu einem Ranking TOP 5 wäre es noch zufriedenstellend, da es sehr hart werden wird in dieser Leistungsdichte der Topjungs. Jedoch werde ich mich nicht unter Druck setzen, unbedingt die 3 halten zu müssen. Da wir aktuell zwei deutsche TOP 20 Spieler in der Herren-Weltrangliste haben, muss das Ziel sein, in das Finale der Team-EM zu kommen. Bei der Team-WM im Dezember wäre das Erreichen des Viertel- oder Halbfinales gut. Wir haben viele sehr gute leistungsstarke Fighter in der Mannschaft, wo oft der eine oder andere bei so einem Event auch über sich leistungsmäßig hinauswächst und damit dem Team zusätzlichen Schub verleiht.

Mit Raphael Kandra steht aktuell nach dir ein zweiter Deutscher in den TOP 20. Ihr trainiert in Paderborn oft miteinander. Wie sieht euer Trainingsumfeld im Groben aus? Machst du und Raphael auch privat außerhalb des Trainings etwas gemeinsam?

Ich habe hier in Paderborn eine sehr gute Trainingsgruppe mit u.a. Raphael Kandra, Nicolas Müller, Lucas Wirths, Lennart Osthoff und noch vielen weiteren sehr guten Spielerinnen und Spielern in einer super Sportanlage und einem tollen Umfeld, die uns sehr gute Trainingsbedingungen schaffen. Hier ist alles vorhanden, was du für ein professionelles Trainingsumfeld benötigst. Mit allen habe ich ein sehr gutes privates Verhältnis, sodass wir auch öfters Dinge zusammen machen wie z.B. den Weihnachtsmarkt oder ein anderes Sportevent besuchen.

Als Vollprofi bist du weltweit unterwegs und nicht so oft in der Heimat. Was macht du, wenn du in der Heimat bist und nicht gerade in einer Trainingseinheit oder in einer Turniervorbereitung steckst, also einmal „Freizeit“ hast?

Ich gehe sehr gerne ins Kino und mag abendliche Veranstaltungen. Auch kümmere ich mich gerne um unseren Garten, schaue Filme und spiele ab und an Golf. Derzeit steht aber unser Sohn natürlich im Fokus. Der Mix aus Sport und Familie tut sehr gut.

Bei vielen Events und deinen Erfolgen in 2018 wurdest du direkt vom Bundestrainer Oliver Pettke gecoacht. Wie ist deine Beziehung zum Bundestrainer und wie wirkt der Support für dich?

Wir haben während jedem Turnier Kontakt. Er hilft mir sehr. Oft ist er nachts aufgestanden und hat mir dann taktische und strategische Anweisungen gegeben, wenn das Turnier durch die Zeitverschiebung zu sehr später bzw. früher verglichen mit deutscher Zeit stattfand. Seine Art und Weise gefällt mir sehr und er hat sehr gutes Knowhow auch aus seiner eigenen Profikarriere. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und ich freue mich, dass er mich sehr gut supportet und auch mich bei einigen internationalen Events direkt begleitet, wie nun auch bei der anstehenden Einzel-WM.

Danke dir für deine Zeit und das Interesse an diesem Interview, Simon. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg bei allen anstehenden Aufgaben.

Danke, Lennard. Kein Problem. Gerne.

 

Das Interview für den DSQV führte Lennard Jessen.

Quelle: DSQV

Foto: Henning Angerer