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"Die beste Entscheidung meines Lebens"

Gespeichert von PSC News 2 am Fr, 04/30/2021 - 12:28

Lea-Iris Murrizi ist im August 2020 aus dem Stuttgarter Raum nach Paderborn gekommen, um beim Paderborner Squash Club zu spielen. Die Schülerin ist als erstes Mädchen in das Sportinternat Paderborn gezogen, in dem knapp 40 Jungen zwischen 14 und 19 Jahren aus sechs verschiedenen Sportarten wohnen. Inzwischen hat Lea in einer gleichaltrigen Volleyballspielerin eine Mitstreiterin im Internat. Jona Greitemeier, FSJler beim PSC, sprach mit Lea:

Lea, hast Du Dich in Paderborn schon gut eingelebt und wie gefällt Dir die Stadt?

Das Einleben war angenehm, da die Leute hier sehr zuvorkommend und gastfreundlich sind. Ich habe schnell Anschluss gefunden und fühle mich wohl, auch Paderborn gefällt mir sehr gut. Vor allem im Vergleich zu meinem vorherigen Wohnort Stuttgart, wo ich sechs Jahre gelebt habe, denke ich, dass ich hier mehr hingehöre.

Wie ist es für Dich, im Alter von 16 Jahren das Elternhaus zu verlassen und mehr oder weniger alleine zu wohnen?

Zu Beginn hatte ich Angst, dass ich meine Familie und mein gewohntes Umfeld vermisse, jedoch habe ich hier nicht die Zeit dazu, aber im positiven Sinne. Der Alltag hier stimmt mich positiv und beschäftigt mich gut, sodass ich nicht in Situationen komme, in denen ich mich einsam fühlen könnte. Es ist deutlich einfacher als gedacht und ich telefoniere auch täglich mit meiner Mutter.

Wie sieht ein typischer Tag hier im Internat für Dich aus?

Also um 6:30 Uhr stehe ich auf, da es um 7 Uhr Frühstück gibt. Wenn wir Präsenzunterricht haben, fahre ich um 7:30 Uhr mit dem Fahrrad zur Schule, diese beginnt um 7:50 Uhr. In meiner Mittagspause gehe ich den Kraftraum des Reismanns, in dem ich den von Ingo Teich (Athletiktrainer am Reismann-Gymnasium, Anm. d. Redaktion) und meinem Trainer Henrik Vössing gemeinsam ausgearbeitetem Plan folge. Im Durschnitt habe ich bis 15:30 Uhr Unterricht. Im Internat gibt es bis 16 Uhr Essen. Anschließend habe ich Zeit zum Lernen und gehe direkt danach direkt ins Training, das war natürlich vor dem Corona-Lockdown. Jetzt ist alles natürlich anders als noch zu Beginn meines Internatsaufenthaltes, auch das Homeschooling gehört dazu. Durch den derzeitigen Lockdown lebt man hier im Haus natürlich isolierter. Eine Folge ist z. B., dass wir unser Essen auf unseren Zimmern einnehmen müssen und Gemeinschaftsabende ausgesetzt werden.

Wie ist das Internatsleben generell, vor allem als eines von zwei Mädchen unter Jungs?

Dass ich eins von zwei Mädchen unter vielen Jungs bin, fällt gar nicht wirklich auf. Die Jungs sind sehr unterstützend und freundlich; ich komme gut mit ihnen klar. Eine sehr gute Seite an dem Sportinternat ist, dass man hier mit vielen Leistungssportlern zusammenwohnt. So hat man viele Menschen um sich, die einen ähnlichen Traum verfolgen und die eigene Lebenssituation gut nachvollziehen können. Dies sorgt dafür, dass man sich weniger als Einzelkämpfer fühlt, sondern ein Teamgeist aufkommt, der jeden von uns noch zusätzlich motiviert.

Wie unterscheidet sich das Reismann-Gymnasium von Deinen bisherigen Schulen?  

Ein großer Vorteil ist der eigene Kraftraum, aber auch die Lehrer zeigen mehr Verständnis für den Leistungssport und passen sich an meine Situation an. Das Reismann-Gymnasium fördert extra Leistungssportler und unterstützt jeden Einzelnen bei seinem Weg. So werden wir für Turniere und auch Trainingslager freigestellt und können Klausuren nachholen.

Hast Du Fächer in der Schule, die Dir besonders gut gefallen?

Vor allem Mathe, Physik und Kunst. Auf diese Stunden freue ich mich besonders.

Wie vereinbarst Du den zeitintensiven Leistungssport mit Schule und Freizeit?

Es fällt mir tatsächlich sehr viel leichter als gedacht. Ich habe viel Zeit für meine Freunde und schöne Dinge neben dem Sport. Das liegt natürlich auch an dem Umfeld und den Umständen hier, wie an den kurzen Wegen zum Ahorn-Sportpark oder der eigene Kraftraum in der Schule. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ich mich neben dem Sport auch für die Schule sehr gut motivieren kann.

Wie bist Du zum Squash gekommen und wann hast Du angefangen?

Angefangen habe ich mit acht Jahren, da gab es in der Grundschule verschiedene Prospekte und Angebote der umliegenden Sportvereine. Ich kannte den Sport schon lange durch meinen Vater und bin dann einfach mal zum Training des heutigen Clubs SRC Duisburg gegangen. Dort war mein erster Trainer Tony Maher mir eine sehr große Hilfe, der mich schließlich auch auf dem Weg zum PSC und ins Sportinternat unterstützt hat.

Entsprechen der PSC und der Trainingsalltag hier Deinen Vorstellungen?

Ich bin sehr zufrieden hier. Das Jugendtraining und Einzeltraining mit Hendrik sind sehr gut. Wie ich es mir auch erhofft hatte, kann ich hier öfter mit guten Damen wie Franziska Hennes trainieren, was in meinen vorherigen Stationen leider nicht möglich war.

Was bedeutet für Dich persönlich der Titel der Deutschen U-17 Meisterin?

Der Titel bedeutet mir echt viel, weil ich schon lange darauf hingearbeitet hatte, und ich z. B. vor zwei Jahren ganz knapp davor war und dann in der U15 Vizemeisterin wurde. Diesmal habe ich es endlich geschafft. Für mich hängt an so einem Titel sehr viel Herz und hartes Training dran.

Möchtest Du Squash zu Deinem Beruf machen?

Auf jeden Fall ist das mein Ziel. Ich denke, ich kann es schaffen, mich in die Top 20 der Weltrangliste zu trainieren und danach muss man schauen.

Was wäre die Alternative?

Ich kann mir gut vorstellen, Studienfächer im Bereich Mathe und Physik zu wählen, wie z. B. Ingenieurswissenschaften. Außerdem male ich sehr viel, deshalb wäre das ein Plan für einen Nebenverdienst. Das alles würde ich am liebsten aber erst nach meiner Squash-Karriere machen.

Hast Du Vorbilder?

Ja, und ich darf ihnen hier auch über die Schulter schauen: Simon Rösner, Raphael Kandra und Franziska Hennes. Simon ist mein größtes Vorbild. Ich finde so inspirierend an ihm, dass er auch in meinem Alter nach Paderborn gezogen ist und er so weit gekommen ist. Nicht, weil ihm viel geschenkt wurde, sondern weil er lange und hart an sich gearbeitet hat und mit diesem Weg so erfolgreich geworden ist.

Bist du glücklich über deine Entscheidung nach Paderborn zu ziehen?

Diese Entscheidung war einer meiner besten Entscheidung, wenn nicht sogar die beste in meinem Leben. Denn vor meinem Umzug nach Paderborn stand ich an einem Scheideweg. Durch Corona und andere Faktoren habe ich mit dem Gedanken gespielt, mit Squash aufzuhören. Deshalb war die Entscheidung, entweder ich höre auf oder ich ziehe ins Internat und gebe alles um meine Träume zu verwirklichen. Und nun bin ich hier und weiß, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Das wäre aber auch ohne meine Unterstützer auf diesem Weg nicht möglich gewesen, deshalb bedanke ich mich ganz herzlich beim PSC, Dunlop, den Talentengeln, Tony Maher und Hendrik Vössing sowie bei meinen Eltern, ohne die wäre nichts von meiner bisherigen Karriere zustande gekommen, und ich bin stolz auf mich selbst, dass ich die Entscheidung getroffen habe, nach Paderborn zu ziehen.

Foto (Quelle: PSC/Jona Greitemeier)

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